Die Hüter der Geheimnisse oder wie das Tarot entstanden sein könnte!
Einst, vor sehr langer Zeit, noch vor der Zeit als die Religionen den,
lebten die Menschen in Harmonie miteinander.
Sie sprachen mit den Pflanzen und den Tieren,
unterstützten sich gegenseitig und waren im Kontakt mit dem Schöpfer.
Weil sie wussten, dass jedes Leben miteinander in Verbindung steht, waren sie achtsam,
teilten ihre Talente und all das, was man zum Leben benötigt.
Natürlich gab es auch Streit!
Aber niemand kam auf die Idee einen anderen zu töten. Stattdessen erhoben sie ihre Stimme,
keiften sich an und teilten ihre Meinung lautstark mit.
Nachdem sie ihre Kräfte erprobt hatten, gab es meist ein großes Gelächter unter den Beteiligten
und sie nahmen sich in den Arm.
Zu dieser Zeit lebte Cosmor.
Cosmor war ein Prophet und ein angesehener und geliebter Berater der Menschen.
Der Prophet hatte einen guten Kontakt zum Schöpfer, redete mit ihm und empfing Visionen.
An diesem Morgen erwachte der Prophet mit entsetztem Gesicht und schreckgeweiteten Augen.
Eine unglaubliche Vision kam im Traum zu ihm.
Mit zitternden Händen, doch fester lauter Stimme sagte er zu seinem Helfer:
"Geh"- und hole die Weisen! Wir müssen uns beraten"!
Batula der Helfer brach auf.
Er hatte Cosmor noch nie so gesehen und seine Sorge um ihn befahl ihm, sich zu beeilen.
Er ging zu Aros dem Jäger, der mit den Tieren sprach,
zu Helia der Künstlerin und Heilerin, zu Davio, dem Wissenden
und zu Axkausa der Zauberin.
Schnell packten sie alle ihre Bündel und schlossen sich Batula an.
Niemals zuvor hatte Cosmor dies getan!
Nach drei Tagen und drei Nächten traf die kleine Gruppe im Hause Cosmor ein.
Nachdem sie sich gestärkt hatten, fanden sie ihren Platz in einer Runde und Cosmor erzählte seine Vision:
"Der Schöpfer hat mich weit in die Zukunft der Menschen sehen lassen.
Er hat mir eine Welt gezeigt, in der die Menschen vergessen werden.
Sie werden vergessen, dass sie ein Teil des großen Kreises das Lebens sind.
Tiere werden sie ohne deren Einverständnis töten. Aus purer Lust und Unwissenheit zerstören sie Pflanzen.
Den Schöpfer und seine Lebensgesetze halten sie für pure Einbildung. Die wenigen,
die ihn wieder finden wollen, werden verlacht.
Es werden verschiedene Glaubensgemeinschaften mit vielen Anhängern entstehen!
Das Wissen der Heiligen, die ungewollt Gründer dieser Gemeinschaften sind, wird nur zu Teilen weitergegeben!
Es entsteht eine große Angst, die unseren Planeten einhüllt!
Die Anhäger einer Glaubensgemeinschaft töten die Befürworter anderer Glaubensrichtungen.
Es wird eine große Trennung von allem Lebendigen entstehen und die Herzen der Menschen schlafen lange in Dunkelheit.
Der Respekt vor dem Leben geht verloren und Maschinen und andere Erfindungen lassen Mutter Erde erkranken".
"Aber", so sprach Cosmor weiter, "einige von ihnen werden sich erinnern, sie sehen das Licht und wollen dem Lebendigen dienen.
Es ist unsere Aufgabe, ihnen unser Wissen als Erbe und Wegbegleiter zu hinterlassen".
"Meine Freunde", führ Cosmor fort, "wie können wir dieses Wissen schützen?
Wird es im Laufe der Zeit nicht auch unweigerlich geheim gehalten oder verloren gehen"?
Nachdem Cosmor sein Reden beendet hatte, herrschte eine schwere Stille im Raum.
Die Gesichter der Weisen waren bekümmert.
Was Cosmor erzählt hatte, war kaum vorstellbar.
Gleichwohl wussten alle in ihrem Herzen, dass er die Wahrheit sagte.
"Lasst uns einen Weg überlegen, mit dem wir unser Wissen der Nachwelt hinterlassen können",
sagte Cosmor.
Die Runde wirkte nachdenklich.
"Hmm..., wenn doch so viele vergessen werden, warf Axkausa ein,
....sollten wir das Wissen schützen, es vor Missbrauch bewahren"!
Wieder herrschte Stille im Raum. Natürlich hatte Axkausa einen wesentlichen Punkt angesprochen.
Aufgrund der Vision von Cosmor durfte dieser Aspekt nicht ignoriert werden.
Ohne Liebe und Achtung der Schöpfung gegenüber konnte dieses Wissen großen Schaden anrichten.
Ein grauenvoller Gedanke!
Aros spann die Überlegung weiter: "Es wäre ratsam, eine Art Schlüssel zu finden,
mit denen die wahrlich Suchenden die Tür zu den Geheimnissen des Lebens öffnen können,
allen anderen aber das Mysterium das Lebens verschleiert bleibt".
Davio, der bis dahin in einer Art stiller Versenkung an dem Gespräch teilnahmslos erschien,
brachte sich plötzlich aufgeregt in die Runde ein.
"Bilder, Bilder", rief er. "Lasst uns die Geheimnisse des Lebens in Bilder fest halten.
Wir alle wissen um die Kraft der Bilder.
Die Sprache der Symbole und archetypischen Bilder wird die Zeit überdauern und das Wissen wird fort bestehen".
Die Gesichter der Runde erhellten sich. Jeder wusste um diese Kraft.
"Was für uns selbstverständlich ist, nämlich die Sprache der archetypischen Bilder
und Symbole zu lesen und zu verstehen,
wird in der Zukunft verschwinden.
Ist diese Sprache doch nur dem Wissenden vertraut",
äußerte Cosmor, dessen Gesicht sich zunehmend entspannte.
"Natürlich", fuhr er fort, "das Geheimnis schützt sich selbst"!
Die Erleichterung war förmlich im Raum zu spüren. Helia, die Künstlerin, schlug vor:
"Meine Freunde, lasst uns das Ganze in einzelnen Bildern festhalten,
es wird mir eine Ehre sein, diese zu malen"!
Freude kehrte in die Runde ein.
Es gab Tee und andere Köstlichkeiten.
Endlich war es an der Zeit, auch andere Neuigkeiten auszutauschen,
da die Lösung des Problems gefunden war.
Morgen würden sie mit der Umsetzung ihres Plans beginnen.
Der Abend beschenkte die kleine Gruppe noch mit einem zauberhaften Sonnenuntergang.
In gemeinschaftlichem Zusammensein, gepaart mit Zuversicht,
konnten sie sich nun endlich aneinander freuen.
(c) by E. Fries